Die Liebe


Ein Beispiel:
Zwei Menschen laufen sich ganz „ zufällig“ über den Weg und es „funkt“. Sie treffen einander wieder und zeigen sich von ihrer besten Seite – sie sind ineinander verliebt. Diese Verliebtheit ist eine wunderschöne Zeit voller Leichtigkeit, Freiheit und Bewunderung (rosarote Brille) - bis zu einem Punkt, und zwar bis zu der Sekunde, in der durch eine Bemerkung, ein Ereignis oder eine Frage plötzlich eine Beziehung entsteht (man geht miteinander).

Die Liebe ist eine wunderbare Energie, die sich sowohl im Emotionalkörper als auch im Kausalkörper (seelischer Bereich) entfaltet. Die Beziehungsenergie hingegen ist im Mentalkörper beheimatet.

Zum Beispiel: das Seelische nimmt etwas wahr und erlebt es einfach; das Gedankliche wertet, plant, analysiert und strukturiert.
Das Seelische (Emotionale) genießt den Duft einer Rose, das Mentale (Verstand) benennt den Duft und vergleicht ihn sofort mit anderen Düften.

Eines unserer Grundprobleme ist die Vermischung des Seelischen mit dem Rationalen. Es gehört schon sehr viel Disziplin und Ordnungskraft dazu, sich der Unterschiede bewusst zu sein - und das in jedem Augenblick. Genau an diesem Punkt liegt die Wurzel für Glück oder Unglück der Liebe.

Wichtig wäre es, diesen Punkt deutlicher zu sehen und miteinander darüber offen zu sprechen. Allerdings setzt so ein Verhalten eine gewisse Wachheit und Bewusstheit voraus, denen genau die oben erwähnten von Generation zu Generation weitergegebenen falschen Glaubenssätze, Denkweisen und Verhaltensmuster zuwiderlaufen.

Leider befassen wir uns viel zu wenig mit uns selbst, leben meist in der Dimension der Ratio und handeln „ vernünftig“ aufgrund von Analysen aus der Vergangenheit und Prognosen in die Zukunft. Die Liebe jedoch kennt weder Vergangenheit noch Zukunft.

Sie ist ein seelisches Erleben im „ JETZT“ – frei, lebendig, unbestimmt, unbestimmbar und fließend.

Es gibt keine Sicherheit – wir können quasi nur abwarten und schauen was passiert. Diese Tatsache erzeugt Angst – weil wir wollen Sicherheit und die Möglichkeit, jederzeit alles Schöne wieder reproduzieren zu können – also denken wir wieder und beginnen zu manipulieren.

Mit einer Angst, die sich durch Gedanken im Gehirn eingenistet hat, wird Liebe gefährdet.

Anders gesagt – Angst und Liebe vertragen sich nicht (sie sind die einander gegenüberliegenden Pole).

Liebe ist aufmerksame Zuwendung wogegen Angst zu schützender Abwendung führt – Liebe öffnet und Angst verschließt. Beides zugleich führt zu innerer Spannung, zu einem Zustand der Unbeweglichkeit und Starre. Daraus resultieren psychosomatische Symptome (die Seele möchte fließen, und das Denken behindert und blockiert ihren Fluss) – ein quälender Zustand.

Das Denken ist ein Instrument, um Denkprobleme im Alltag zu lösen.

Ist die Liebe ein Denkproblem? Auch kann die Liebe nicht über das Denken und den Willen erzeugt werden. Ein rational denkender Mensch bringt die Lebendigkeit der Liebe um. Die Liebe ist etwas Wortloses. Worte können nur etwas andeuten - ausgenommen aus dem Mund oder der Feder einiger weniger begnadeter Poeten.

Wir sollten uns in die Schwingung der Liebe hineinfallen lassen, sie bedingungslos annehmen und einfach nur mitschwingen, absolut frei von manipulierenden Gedanken (lebe sinnlich und sei unkonzentriert).

Oft denken wir zu viel und erleben viel zuwenig über unsere Sinne.

Liebe kann sich nur entfalten, wenn wir ganz da sind – also wach und bewusst sind – mit offenen Sinnen da sind. Wenn wir ganz Ohr, ganz Auge und ganz Tastsinn sind, denken wir nicht an uns selbst. In dieser Selbstvergessenheit tritt unser Denken zurück – somit keine Analysen und Bewertungen, dafür Sinneserlebnisse, welche Glückseligkeit entstehen lassen.

Die Liebe geschieht angstfrei in der Gegenwart.

Sie ist eine seelisch-emotionale frei fließende Energie, frei von Dogmen, Normen und Regeln.

Diese Energie ist Schwingung mit einem natürlichen Rhythmus. Die Schwingung bewegt sich zwischen den gegenteiligen Polen – „Nähe und Distanz“. Nur wenn wir die Nähe wieder loslassen und angstfrei in die Distanz zurück schwingen können, bildet sich aus der Distanz heraus wieder die Energie für ein Zurückschwingen in die Nähe (mit einem Pendel zu vergleichen).

Der menschliche Geist will die Nähe aber festhalten, wodurch sich eine Anspannung bzw. Verkrampfung aufbauen kann. Das Rationale versucht dann das Seelische zu manipulieren. Das Beziehungsdenken nennt Konditionen, die Liebe nicht!

Erwartungen entstehen zum Beispiel bereits, wenn man zum ersten Mal „ich liebe Dich“ sagt.
Im Moment einer solchen Aussage wünschen wir uns natürlich, vom anderen genauso geliebt zu werden. Und schon begeben wir uns in den labilen Zustand eventuell unerfüllter Hoffnung (Abhängigkeit).
Anders gesagt – mit dem Satz: „Ich liebe Dich“ wird der andere möglicherweise „in die Pflicht genommen“, bestimmten Vorstellungen zu entsprechen. Es könnte ebenso die Angst entstehen, dass ab diesem Augenblick sehr wahrscheinlich auch Ansprüche abgeleitet werden.

Vorstellungen, die wie schon öfters erwähnt aus alten übernommenen und noch nie überarbeiteten Glaubenssätzen bzw. aus dem nicht oder zu gering vorhandenen Eigenwert (Eigenliebe) erwachsen, lassen bei Nichtbefriedigung die Eifersucht entstehen und keimen. Verhalten und Worte werden auf die Goldwaage der Erwartungen gelegt – und der Zauber der Liebe entschwindet.

Emotional und mental ausgeglichene Menschen macht der ungehemmte Satz „Ich liebe Dich“ - frei und glücklich. Ohne Erwartungen zu fühlen und zu leben ist Liebe etwas Wunderbares und das größte Glück der Selbstentfaltung.
Erwachte Menschen wissen ebenfalls, dass im Kommen bereits auch das Gehen enthalten ist (Schwingung zwischen Nähe und Distanz) und können ohne gravierende emotionale Entgleisung den Satz „Ich liebe Dich nicht mehr, es ist vorbei“ hinnehmen. Sie werden niemanden mehr verpflichten und Erwartungen sowie Fixierungswünsche aufgeben.

Leider sind sehr viele Menschen rational erzogen worden und haben wenig über die Sensibilität der Gefühle erfahren. Die Logik des Denkens erwartet nach dem Verlieben — die Beziehung.
Logik verpflichtet, verlangt ein System und deckt Gefühlsdimensionen zu.

Alle Kraft und Lebensenergie geht von der Seele aus. Ideal wäre es, wenn die Seele frei fließen kann und den Intellekt als Instrument zur Verfügung hat (und nicht umgekehrt).

Wir veranstalten oft ein entgegen gesetztes Spektakel, welches schlussendlich unter Umständen in einer Trennung endet. Der daraus folgende Liebeskummer ist ein sehr wirkungsvoller Weg zur Reifung — unter der Voraussetzung, dass man diesen Trennungsschmerz annimmt und bis zu seinem natürlichen Ende bewusst auslebt.

Dieser so genannte „Herzschmerz“ reinigt, stärkt und harmonisiert unseren Emotionalkörper und legt dadurch tief verschüttete Herzqualitäten wieder frei. Es wird uns möglich, aus innerem Gleichmut heraus Akzeptanz und Toleranz dem Außen entgegenzubringen.
©  2015  Mentale Selbstheilung  Andreas Emmerling